Arten

Der Mauersegler

Der Mauersegler (Apus apus) wird auf den ersten Blick gerne mit einer Schwalbe verwechselt, doch die dunkle Farbe, das sichelförmige Flugbild und die schrillen Rufe sind unverkennbar. Er ist ein wahrer Flugkünstler, der pro Jahr ca. 200 000 km zurücklegt. Sie fliegen nicht nur jährlich an die 20.000 km auf dem Zug, sondern verbringen mit Ausnahme der Brutzeit ihr ganzes Leben in der Luft und können sogar fliegend schlafen.
Ihr durchdringendes „srii srii“ ist ein Zeichen, dass der Sommer beginnt, da der Mauersegler erst im Mai in seinen Brutgebieten ankommt. Als ursprünglicher Bewohner von felsigen Wänden wohnt er in Österreich oft in Siedlungen und sogar Städten, wo sein Nest in Gebäudehohlräumen gebaut wird.
Mauersegler zählen zu den Langstreckenziehern, das bedeutet, dass sie den Winter südlich der Sahara verbringen. Diese anstrengende Reise beginnt oft schon Mitte Juli und ist stark von der Witterung abhängig. Da sich die Vögel ausschließlich von Insekten im Flug ernähren, ist es bei Schlechtwetter schwieriger, Nahrung zu finden und den nötigen Treibstoff aufzubauen.

© David Stenitzer

Der Steinschmätzer

© Klemens Wessely

Steinschmätzer, wie der Name schon sagt, findet man gerne in der Nähe von Steinen, da sie dort mit ihrem grauen Gefieder optimal getarnt sind. Daher brütet er in Österreich vor allem in den Alpen oberhalb der Baumgrenze. Doch im Osten schätzt er Schotter und brütet in entsprechenden Gruben.

Vereinzelte, diesbezügliche Nachweise gibt es sogar aus dem nördlichen Tullnerfeld.

Der Raubwürger

©Klemens Wessely

Der Raubwürger ist ein seltener Gast im Tullnerfeld, der gerne die kalte Jahreszeit in der offenen Agrarlandschaft verbringt, wo er neben Mäusen auch Singvögel schlägt. Der amselgroße Vogel ist in Österreich aufgrund des Verlusts seines Lebensraums stark gefährdet.

Neben den bei uns überwinternden Raubwürgern gibt aber auch Populationen dieser Art, die nur durch das Tullnerfeld reisen und hier eine Pause einlegen. Ein Netzwerk-Mitglied beobachtet seit ein paar Jahren durchreisende Raubwürger rastend auf derselben Stromleitung bei Zeiselmauer.

 
 

Die Dolchwespe

Dolchwespe  © Helmut Grabherr

Die Dolchwespe (Scolia hirta) wirkt und heißt gefährlich,  gänzlich schwarz mit zwei deutlichen gelben Binden am Hinterleib. Fürchten müssen sich allerdings nur Engerlinge, vor allem die des Rosenkäfers.

Dolchwespenweibchen graben bis zu einem Meter tief um ihr Ei an eine Käferlarve zu heften, die sie mit ihren Antennen sogar im Flug „erriechen“ können.

Für Menschen sind Dolchwespen nicht gefährlich, sie interessieren sich auch nicht für unser Essen beziehungsweise Getränke, sondern nur für Blütennektar

 
 

Das Weinhähnchen

©Helmut Grabherr

Den Gesang des Weinhähnchens verbinden viele Menschen wahrscheinlich mit lauen Sommernächten, da es gerne abends bis in den Herbst hinein singt.

Es gehört zur Familie der Blütengrillen und fühlt sich in trocken-warmen Gebieten sehr wohl. Da das Weinhähnchen mit seiner gelblich-braunen Färbung sehr unscheinbar ist, nimmt man seine Anwesenheit meist nur durch den Gesang wahr.

Auf dem Bild kann man gut den Legebohrer des Weibchens erkennen, womit die Eier in Stängel von Pflanzen gelegt werden, in die zuvor ein Loch gebissen wurde. 

 
 

Das Waldreben-Fensterfleckchen

Waldreben-Fensterfleckchen ©H. Grabherr

Die Raupen des Waldreben-Fensterfleckchens fressen vor allem auf der Gemeinen Waldrebe und vermutlich auch auf anderen Arten der Gattung Clematis.

 
Die erwachsenen Falter ernähren sich von Nektar aus dem lokalen Wildblumenangebot.
 
Daher braucht das Fensterfleckchen sowohl „ungepflegte“ Gebüsche, Waldränder bzw. Windschutzgürtel, wo die Gemeine Waldrebe wachsen kann, als auch ein entsprechendes Blühangebot in der Nähe.
 
Beides findet sich im Tullnerfeld. Doch sowohl blühende Dämme oder Wegränder, als auch verwachsene Gebüsche fallen gern menschlichen Ordnungsvorstellungen zum Opfer und so werden sie leider weniger, die Eckchen für das Waldreben-Fensterfleckchen…
 

Rotschwänze

Haus und Garten sind der Traum vieler Tullnerfelder*innen. Das Tullnerfeld wiederum ist der Traum so mancher Garten- und Hausrotschwänze, zumindest kommen einige von ihnen jedes Frühjahr aus dem Süden wieder hierher.

Der Gartenrotschwanz ist der anspruchsvollere und seltenere der beiden Singvögel. Er bevorzugt eine abwechslungsreiche Landschaft mit alten Bäumen, Gebüschen und offenen Bereichen.

Ist der Hausrotschwanz schnell mal mit einem Fertigteiltraum zufrieden, von dessen Giebel er singen kann, wählt der Gartenrotschwanz sein Heim mit Bedacht, da er es gern ein bisschen wilder hat.

Natur ist mehr denn je von ihren Grundbesitzern abhängig, im Großen wie im Kleinen und so haben wir es selbst in der Hand: Englischer Rasen oder doch Rotschwanz im Garten…

 

 
Hausrotschwanz ©K. Wessely
Gartenrotschwanz ©B. Grabherr

Die Beutelmeise

Beutelmeise ©B. Grabherr

Beutelmeisen sind Feuchtgebietsspezialisten. Ein Lebensraum der im Tullnerfeld einst weit verbreitet war.

 
Sie bauen außergewöhnlich aussehende, beutelförmige Nester aus weichen Pappel-, Rohrkolben-, und anderen Samen, zumeist in Weidengebüschen.
In den letzten Jahren gelangen während der  Zugzeiten im Frühjahr und im Herbst, immer wieder Sichtungen dieser spannenden Art.  Die Vögel sind jedoch meist keine Tullnerfelder Häusel- bzw. Beutelbauer, sondern befinden sich offenbar nur auf der Durchreise.
 
Das war wohl nicht immer so, denn bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts prägten ausgedehnte, extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesengebiete das südöstliche Tullnerfeld und boten den Beutelmeisen somit beste Brutbedingungen. Heutzutage bleibt durch den meist flüchtigen Besuch der Vögel nur mehr die Erinnerung an eine verlorene Landschaft…

Schimmernde Frühlingsboten

Goldregenpfeifer ©K. Wessely
Kiebitz ©K. Wessely

Schon ab Anfang Februar ist der Kiebitz- und Goldregenpfeiferzug voll im Gange!
So auch im Tullnerfeld, wo um diese Jahreszeit immer wieder große Kiebitztrupps von mehreren hundert Exemplaren gesehen
werden können und mit etwas Glück kann man auch die viel selteneren Goldregenpfeifer auf ihrem Weg nach Norden beobachten.


Im Gegensatz zu den Goldregenpfeifern, die hier ausschließlich als Zuggäste auftreten, ist so mancher Kiebitz nicht auf dem Durchzug, sondern kommt im Tullnerfeld an, denn die Art ist ein seltener Brutvogel der Region.


Kiebitze brüten am Boden und zwar hauptsächlich in offenen Landschaften, wie Wiesen und Weiden. Lebensräume, die einst im Tullnerfeld das prägende Landschaftsbild waren.


Kiebitzküken ©K. Wessely

Der Verlust dieser Habitate durch die Industrialisierung und Intensiverung der Landwirtschaft führte dazu, dass heutzutage nur mehr einige wenige Kiebitzbrutpaare auf Restflächen  im Tullnerfeld zu finden sind.


Teilweise mussten und müssen die verbliebenen Vögel für ihre Jungenaufzucht sogar auf Felder und Äcker ausweichen, wo es jedoch durch die regelmäßige Bewirtschaftung meist zu Totalausfällen der Brut kommt.
Zur Zeit der Jungenaufzucht im Frühjahr nutzt diese Art das reiche Nahrungsangebot an Sutten und Vernässungsflächen – Biotoptypen, die durch Trockenlegung weitgehend verschwunden sind.


Um die letzten Kiebitzpaare des Tullnerfeldes zu bewahren ist es daher von dringlicher Notwendigkeit, geeignete Flächen zu erhalten, kiebitzgerecht zu bewirtschaften und zu fördern.

Vögel im Tullnerfeld

Farbenfrohe Finken
Schimmernde Frühlingsboten
Die Beutelmeise
Rotschwänze
Glücksboten aus Afrika
Das Schwarzkehlchen