Prachtlibellen gesucht!

© Helmut Grabherr

Im Rahmen des Citizen Science Projektes „Prachtlibellen gesucht“ hat der Naturschutzbund NÖ in den Jahren 2023 und 2024 zur Meldung von Sichtungen der Gebänderten Prachtlibelle sowie der Blauflügel-Prachtlibelle im gesamten Tullnerfeld über die Plattformen www.naturbeobachtung.at oder www.inaturalist.org  sowie per Mail aufgerufen.

Einerseits, da Libellen als Bioindikatoren Rückschlüsse auf den ökologischen Zustand von Gewässern zulassen, andererseits, um die Bevölkerung auf die Bedürfnisse einer wassergebundenen Art an Fließgewässern aufmerksam zu machen.

Denn geeignete Lebensräume für die Prachtlibellen sind im Tullnerfeld selten geworden. Begradigungen, Uferverbauungen und radikale Pflegemaßnahmen, aber auch Düngemittel- und Pestizideintrag haben dazu geführt, dass die Arten nur noch selten angetroffen werden. Werden Gewässer naturschutzkonform gepflegt und im besten Fall renaturiert, kehren die Libellen bald zurück.

Neben den Libellen, die gute Bioindikatoren zur Bewertung des ökologischen Zustandes und der naturschutzfachlichen Wertigkeit von Gewässern und Gewässersystemen sind, benötigen noch zahlreiche andere Arten naturnahe Fließgewässer. Es ist dem Netzwerk Natur Tullnerfeld ein großes Anliegen, sich für die Renaturierung und die schonende Uferpflege im Tullnerfeld einzusetzen.

Mehr Informationen zu den beiden Arten:  

Artbeschreibung der Blauflügel-Prachtlibelle       Artbeschreibung der Gebänderten Prachtlibelle

Eingegangene Meldungen

Im Beobachtungszeitraum Sommer 2023 und 2024 sind insgesamt 64 Meldungen von Prachtlibellen eingegangen. Davon 8 Meldungen von Schichtungen der Blauflügel-Prachtlibellen (Calopteryx virgo), 50 Meldungen der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens) sowie 6 Prachtlibellenmeldungen ohne Bildnachweis. Neben Meldungen an der Donau sowie an Altarmen der Donau bzw. den Donauauen fallen gehäufte Meldungen an der renaturierten Traisen von Traismauer bis Zwentendorf, mehrere Meldungen in St. Andrä-Wördern und drei Meldungen an der Schmida in Absdorf auf. Zu beachten ist bei der Betrachtung der Ergebnisse, dass diese Beobachtungen der mitwirkenden Bevölkerung wiedergeben. Sie sind abhängig von der Anzahl der sich beteiligenden Personen und deren Aktionsradius. Es handelt sich dabei um kein wissenschaftliches Monitoring.

Empfohlene Maßnahmen

Zu einer Verbesserung des Lebensraums der Libellen kann die extensive Pflege der Uferböschungen (max. zweimalige Mahd im Jahr mit Abtransport des Mähgutes und abschnittsweises Mähen) sowie das Stehenlassen des Krautstreifens direkt am Gewässer bis in den Herbst beitragen. Beide Arten brauchen für ihre Fortpflanzung höhere Ufervegetation. Für die Eiablage werden submerse Wasserpflanzen benötigt. Die Libellenlarve braucht Ufervegetation, die aus dem Wasser ragt, um sich dort zur erwachsenen Libelle zu entwickeln. Männchen der Prachtlibellen benötigen diese hohe Ufervegetation, um die Weibchen bei der Eiablage und das Revier zu verteidigen. Ebenso sollte die Strukturvielfalt im Gewässerbett gefördert werden. Sowohl gehölzfreie sonnige als auch teilweise schattige Abschnitte bilden ein buntes Lebensraummosaik für die Prachtlibellen. Renaturierungen kleinerer Fließgewässer wirken dem Habitatverlust der Prachtlibellen entgegen.

Die Karte sowie ein Factsheet zum Citizen Science Projekt „Prachtlibellen gesucht“ stehen als pdf zum Download bereit:

Prachtlibellen_Karte
Prachtlibellen_Factsheet